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Neue EU-Sanktionen: Auswirkungen auf Kryptobörsen und ihre russischen Kunden

Neun Monate nach Beginn des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland wurden die Sanktionen gegen Russland weiter und heftiger verschärft. Diesmal haben die Gesetzgeber der Europäischen Union angekündigt, sie wollen ein vollständiges Verbot aller grenzüberschreitenden Krypto-Zahlungen zwischen Russland und seinen Bürgern verhängen.

Als Reaktion auf die Angriffe Russlands auf die Ukraine, die wiederholte Mobilisierung von Truppen innerhalb des Landes und die Androhung eines nuklearen Angriffs hat die EU nun ein Verbot für alle “Krypto-Asset-Wallets, Konten oder Verwahrungsdienste, unabhängig von der Höhe des Wallet-Betrags” erlassen.

Die vorhergehenden Sanktionen haben eine Obergrenze für Kryptowährungszahlungen zwischen russischen und EU-Wallets und 10.000 Euro festgelegt. Das aktuelle Verbot soll Russland seine militärische Macht nehmen und gleichzeitig wichtige Komponenten seiner Industrie behindern.

Russische Krypto-Nutzer im Fadenkreuz

Angesichts der EU-Sanktionen haben viele Kryptowährungsbörsen in der Region, darunter LocalBitcoins, Crypto.com und Blockchain.com ihren Kunden E-Mails zugeschickt und ihnen nahegelegt, ihr Geld so bald wie möglich abzuheben, da sie Dienstleistungen der jeweiligen Börse nicht mehr nutzen werden können.

LocalBitcoins hat im September 2022 8 Prozent des russischen-Handelsvolumen abgewickelt. Damit sind Russen die mit Abstand größte Kundengruppe der Börse. Außerdem haben russische Nutzer vor dem Verbot knapp 20 Prozent des gesamten BTC-Handelsvolumen an der Börse ausgemacht.

Binance, eine der größten Kryptobörsen der Welt, will diese neuen Beschränkungen ebenfalls umsetzen. Ein Vertreter des Unternehmens erklärte jedoch gegenüber Cointelegraph, es könne einige Zeit dauern, bis diese Änderungen in Kraft treten. Es gebe kein festes Datum für diese Änderungen. Bitfinex hat sich zuvor gegen die immer weiter gehenden Sanktionen gegen russische Staatsbürger ausgesprochen. Die Börse änderte kürzlich ihre Haltung und erklärte, sie werde ihre Nutzungsbedingungen möglicherweise anpassen, wenn sie “von den Regulierungsbehörden”, denen sie untersteht, dazu aufgefordert werde.

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Auch der beliebte Blockchain-Entwickler Dapper Labs lässt russische Staatsbürger seit Anfang des Monats nicht mehr auf seine digitalen Vermögenswertdienstleistungen zugreifen. Daher können Nutzer aus dieser Region nicht mehr auf den beliebten NFT-Marktplatz der Börse und andere Krypto-Produkte zugreifen.

Auswirkungen des Verbots

Cointelegraph hat mit Ajay Dhingra, Leiter der Forschungs- und Analyseabteilung der Kryptowährungsbörse Unizen, gesprochen. Er hat hervorgehoben, dass einer der wichtigsten Anwendungsfälle von digitalen Vermögenswerten der Schutz der Ersparnisse von Bürgern eines Landes sei, das sich im Krieg befindet.

“Das Verbot wird dem russischen Einzelhandel und einigen Finanzinstituten sehr schaden. Angesichts der Tatsache, dass BTC bei Ausbruch des Krieges einen starken Anstieg verzeichnet hat, haben die europäischen Behörden dieses Schlupfloch in ihrer Strategie, Russland einzuschränken und zu ersticken, zur Kenntnis genommen.”

Auch Przemyslaw Kral, CEO von Zonda, einer der größten Börsen Osteuropas nach Volumen, erklärte gegenüber Cointelegraph, die Sanktionen und die noch nicht abgeschlossene MiCA-Verordnung würden die Krypto-Landschaft der Region in absehbarer Zukunft möglicherweise neu definieren:

“Da die Situation eskaliert, ist die Entscheidung der Börsen, sich an die neuen EU-Sanktionen zu halten, unabhängig von ihren persönlichen Ansichten zur Krypto-Regulierung eine moralische und ethische Verantwortung, die alle Unternehmen sorgfältig abwägen sollten.”

Was passiert mit den Rubel-Paaren, die diese Börsen halten?

In der Vergangenheit sind die Aufsichtsbehörden hart gegen Börsen vorgegangen, die Bürgern aus Ländern, die auf der schwarzen Liste stehen, weiterhin den Handel auf ihren Plattformen gestatten. Das wirft die Frage auf: Was werden die Börsen mit einem großen Volumen bei Rubel-Handelspartner mit diesen Vermögenswerten tun? Dhingra sagte dazu:

“Diesmal werden sie angesichts der Kürze der Situation vorsichtig sein. Den Börsen bleibt nun nichts anderes übrig, als große Verluste in ihren Bilanzen zu realisieren. Das Verbot wird jedoch die dezentrale Finanzierung wieder ins Rampenlicht rücken, da es eine zensurresistente und leicht zugängliche Infrastruktur für Menschen bietet, die in einem geopolitischen Aufruhr leben.”

Kral erklärte, dass es bisher unklar sei, ob Börsen gezwungen sein werden, russischen Nutzern ihr Geld zurückzugeben, den Zugang zu ihnen zu sperren oder ihre Konten einzufrieren, bis die Sanktionen wieder aufgehoben werden. Er hob hervor, dass Zonda alle Konten von russischen Staatsbürgern bereits bei den ersten Sanktionen geschlossen habe und alle Vermögenswerte aus den Rubel-Paaren an die Besitzer zurückgegeben habe.

Viele Börsen trotz Verbot weiter tätig

Wie bereits erwähnt, erwägt Binance zwar immer noch, die Sanktionen für russische Nutzer anzuwenden, ist aber derzeit wie gewohnt tätig. Auch die US-Börse Kraken hat für ihre russischen Kunden noch keine Auflagen. Sie hat auch nicht signalisiert, ob sie sich freiwillig dazu entschließt, die EU-Anforderungen einzuhalten.

Auch die Kryptobörse FTX hat sich bisher den Sanktionen nicht gebeugt. Auch die beliebte russische Kryptowährungsplattform Garantex bietet Händler in der Region nach wie vor eine breite Palette an Dienstleistungen wie Futures und Derivate an.

In der Region sind außerdem auch weiterhin Huobi Global, OKX, KuCoin und Mexc Global tätig. Das Singapurer Unternehmen Bybit erklärte gegenüber einer Krypto-Publikation, sie halte weiter an ihrem Ethos der Freiheit, Transparenz und Dezentralisierung fest und werde keine Sanktionen gegen russische Kunden verhängen. Viele von diesen wollen den Krieg vielleicht nicht und sind mit der Haltung der Regierung nicht einverstanden.

In diesem Zusammenhang: Wie steht es um Krypto in Westeuropa? Schweiz und Frankreich im Mittelpunkt

Die britische Kryptobörse Exmo, die in Osteuropa sehr beliebt ist, hat ihr russisches Geschäft Anfang dieses Jahres an einen lokalen Anbieter verkauft. Die Plattform ist in Russland und den Nachbarländern Weißrussland und Kasachstan unter dem Domainnamen Exmo.me weiterhin aktiv.

Es wird also noch interessant, zu sehen, wie Krypto-Unternehmen, die in der Region tätig sind, sich an die neuen und sich ändernden geopolitischen Realitäten anpassen werden.

   

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