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Krypto-Volkswirtschaft: Was Deutschland von Liechtenstein lernen kann

In Deutschland und der EU läuft in puncto Krypto-Etablierung einiges schief. Wie sehr, zeigt der Vergleich mit Liechtenstein. Über gravierende Unterschiede im Krypto-Mindset und die Frage, wie volkswirtschaftlicher Wohlstand entstehen kann.

Es sind winzige Jurisdiktionen mit nicht mehr Einwohnern als eine deutsche Kleinstadt und doch finden sie international Beachtung. Die Rede ist von Kleinstaaten wie Liechtenstein, Gibraltar oder dem Kanton Zug in der Schweiz, die seit Jahren zahlreiche Start-ups aus dem Blockchain-Sektor anziehen. Und nein: niedrige Steuersätze sind nicht der primäre Grund für die Akkumulation von Innovation. Die Ursache für ihren Erfolg und ihren enormen Wohlstand findet sich ganz woanders.

Liechtenstein und die kollektive Identität

An dem Token Summit Liechtenstein am 13. Oktober war gefühlt das ganze Fürstentum beteiligt. Am Ortseingang von Vaduz wurde man bereits mit einer Anzeigetafel zur Blockchain-Konferenz begrüßt, bestimmte Teile des öffentlichen Nahverkehrs wurden kostenfrei von der Stadt für die anreisenden Gäste zur Verfügung gestellt und diverse Regierungsvertreter Liechtensteins haben sich unter die Speaker und Teilnehmer gemischt. Kurzum: Es entstand der Eindruck, dass sich die Liechtensteiner Gesellschaft und insbesondere die Regierung geschlossen hinter das Thema Krypto-Ökonomie stellt. Man identifiziert sich mit dieser neuen Technologie, weil man verstanden hat, welche Chancen diese für den Wohlstand der kleinen Jurisdiktion bedeutet.

Eine derart kollektive Identität sucht man in Deutschland und anderen EU-Ländern vergebens, da es immer nur die einzelnen Interessensgruppen sind, die sich für ihre Sache einsetzen. Während in Liechtenstein öffentliche Institutionen und Start-ups an einem Strang ziehen, bekommt man in Deutschland manchmal den Eindruck vermittelt, dass staatliche Stellen nicht mit, sondern gegen ihre “Kunden” arbeiten. Während sich der Staat in Liechtenstein vor allem als Dienstleister versteht, fehlt dieser “kundenzentrierte” Blick in der deutschen Verwaltung.

Woher kommt das Geld?

Das andere Mindset der Liechtensteiner Bürger dürfte vor allem daher kommen, dass man sich aufgrund der geringen Bevölkerungsgröße nicht verstecken kann und jeder relativ gesehen eine große Verantwortung für die Mini-Volkswirtschaft besitzt. Es gibt keinen gigantischen Behördenapparat, in dem man unter sich bleibt.

Man hat ein Gefühl dafür, dass das Geld beziehungsweise die Steuereinnahmen nicht auf Bäumen wachsen, sondern in der eigenen Volkswirtschaft verdient werden müssen. Genauso wie wir Verbraucher oft nicht wissen oder bewusst ignorieren, woher unsere Kleidung oder unsere Nahrungsmittel stammen, vergessen manche Bürokraten hierzulande, woher das Geld für ihre Bezüge sowie ihre Pension stammt.

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Crypto Country Liechtenstein: Mehr als Marketing

Über genau diesen Bezug scheinen die Liechtensteiner Staatsvertreter wie der Premierminister Dr. Daniel Risch, Prinz Michael von Liechtenstein oder Thomas Dünser von der Stabsstelle für Finanzplatzinnovation zu verfügen: Sie alle haben glaubwürdig auf dem Token Summit zu verstehen gegeben, dass sie in ihrer Staatsfunktion alles dafür geben, damit sich die Blockchain-Ökonomie in Liechtenstein ansiedeln kann. Dass es dabei nicht nur um nette Worte handelt, sondern auch um konkrete Handlungen, hat bereits das Blockchain-Gesetz (TVTG) aus dem Jahr 2019 bewiesen. Mit dem sogenannten “Container-Modell” hat dieses Gesetz einen wichtigen Beitrag für das Regulierungsverständnis von Token weltweit geliefert.

Die “kurzen Wege” ermöglichen in Liechtenstein, dass man effektiv und mit hoher Eigenverantwortung an der volkswirtschaftlichen Wettbewerbsposition mitwirken kann, anstatt sich im Klein-Klein zu verlieren.

Crypto Valley Zug

Auch im Schweizer Kanton Zug finden wir ähnliche Policy- oder Governance-Muster wie im Fürstentum Liechtenstein. Durch einen innovationsfreundlichen Rechtsrahmen für die Krypto-Ökonomie konnte sich beispielsweise die Ethereum Foundation dort ansiedeln. Das Smart-Contract-Protokoll mit dreistelliger Milliarden-Marktkapitalisierung hatte viele seiner Wurzeln auch in Deutschland beziehungsweise in Berlin gehabt. Dieses Beispiel zeigt, wie Deutschland und andere EU-Länder es versäumen, Innovation in ihrem Land zu halten, da man zu sehr mit sich selbst und seinem institutionellen Kontrollerhalt beschäftigt ist.

Auch der Umstand, dass man im Kanton Zug für Verwaltungsdienstleistungen mit Bitcoin zahlen kann, zeigt, dass man sich aufgeschlossen gegenüber der Industrie präsentiert. So irrelevant diese Bezahloption in der Praxis sein mag, offenbart sie doch eine wichtige Botschaft: die Krypto-Ökonomie ist hier herzlich willkommen. Das Ergebnis sind beeindruckende Blockchain-Ökosysteme, wie sie Wagniskapitalgeber wie CV Labs fördern.

Blockchain und German Angst

Bei keiner anderen Technologie zeigt sich die German Angst so sehr wie bei der Blockchain-Technologie. Diese führt zu einer neuen Organisations- und Kontrolllogik, die diametral zum preußischen Bürokratie-Ideal steht. Die Angst, sich überflüssig zu machen, führt dazu, dass Super-Bürokraten wie Bundeskanzler Olaf Scholz gegen Kryptowährungen argumentieren und diese als Gefahr für die Gesellschaft darstellen.

Neben möglichen regulatorischen Konsequenzen ist das Zeichen an Entrepreneure fatal. Heißt es doch nichts anderes als das Krypto-Unternehmen in Deutschland nicht willkommen sind. Derartige Signale wären wiederum undenkbar aus Liechtenstein oder dem Kanton Zug. Dort hat keine Entkopplung vom “großen Ganzen” stattgefunden. Man hat dort verstanden, dass volkswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nur mit unternehmerischer Freiheit langfristig kultiviert werden kann. Nur wenn man als Staat dem Unternehmertum einen Vertrauensvorschuss zugesteht, kann daraus für einen selbst und jeden einzelnen Bürger Wohlstand entstehen.

Appell an alle Super-Bürokraten

Natürlich kann eine Nation mit 80 Millionen Einwohnern nicht das Wirtschaftsmodell von Liechtenstein kopieren und natürlich gibt es auch deutsche Staatsdiener, die über ein volkswirtschaftliches Verantwortungsbewusstsein verfügen. Sehr wohl aber können wir eine Reform bei öffentlichen Institutionen anstoßen, die eine neue Verantwortung – angefangen beim Bundeskanzler Olaf Scholz bis hin zum Verwaltungsfachangestellten einer kleinen Kommune – kultiviert. Genauso wie die EU an ihrem kollektiven Klimabewusstsein arbeitet, brauchen wir ein kollektives Verständnis dafür, dass nicht immer nur die Europäische Zentralbank das Geld “herbeizaubern” kann.

Mit dem Aufkommen des Internet of Value stehen wir wieder vor einem Scheideweg, wie viel Wertschöpfung und damit Steuereinnahmen überhaupt noch in der EU zukünftig generiert werden. Liechtenstein hat für sich bereits eine Entscheidung getroffen. Anstatt sich an altem Wohlstand festzuklammern, öffnet man sich für die nächste Generation an Investoren und Wirtschaftszweigen. Wenn wir in Deutschland nicht weiter absteigen wollen, dann müssen wir jetzt damit anfangen ein neues Verantwortungsbewusstsein zwischen Staat und Wirtschaft zu kultivieren.

   

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