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Hamburger Unternehmen schmuggelte amerikanische Waffentechnologie und venezolanisches Öl nach Russland – und bezahlt wurde auch mit einer Kryptowährung

Das Hamburger Unternehmen NDA GmbH war die Drehscheibe von sanktionswidrigen Lieferungen nach Russland. Um das Geld für die Lieferungen von Öl und Technologie zu waschen, verwendeten sie auch eine Kryptowährung.

Zu seltenen Gelegenheiten veröffentlichen amerikanische Behörden Pressemitteilungen, die klingen, als wären sie der Trailer einer Netflix-Geheimagentenserie.

Gestern hatte man wieder das Vergügen: Das Justizministerium der USA veröffentlichte eine Meldung mit dem Titel „Fünf russische Bürger und zwei Ölhändler werden der Umgehung globaler Sanktionen und der Geldwäsche angeklagt.“

Es geht um ein kriminelles Netzwerk, das von Russland bis Venezuela reicht, und eine Hamburger Firma, die in dessen Zentrum steht. Dieses Netzwerk schmuggelte Militärtechnologie und Erdöl; die Zahlungen verschleierte es auch durch eine Kryptowährung.

Eine ungeheure Geschichte, in die der Standort Deutschland erschreckend tief involviert ist. Bitcoin spielt in ihr keine, eine andere Kryptowährung aber eine kleine Rolle.

Die NDA aus Hamburg

Wenn die Pressemitteilung der Trailer ist, ist die Anklageschrift die Serie. Sie beginnt mit der „Nord-Deutsche Industrieanlagenbau GmbH“ (NDA GmbH) aus Hamburg. Diese steht im Zentrum des kriminellen Geflechts und dient als Drehscheibe für einen illegalen Handel von Nord- und Südamerika nach Russland und China.

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Die NDA GmbH wurde 2018 von Juri Orekhow und Artem Uss gegründet. Orekhow hatte zuvor für eine russische Aluminium-Firma gearbeitet, die einem Oligarchen gehört, der schon lange mit Sanktionen belegt ist – dieser wird später noch auftreten -, und residierte in Deutschland und den Arabischen Emiraten. Orekhow wurde in Deutschland verhaftet und wird an die USA ausgeliefert. Uss ist der Sohn eines russischen Politikers, dem Governeur der sibirischen Region Krasnojarsk. Er wurde in Italien verhaftet und wird ebenfalls ausgeliefert.

Ebenfalls angeklagt wird die NDA-Mitarbeiterin Swetlana Kuzurgaschewa, die auch als Lana Neumann auftrat. Sie war daneben CEO von Setevew Tekhnologii, einer russischen Handelsfirma für Elektronik.

Die NDA war die Drehscheibe mehrerer internationaler Importe, die gegen Sanktionen verstießen. Sie führten Elektronik für Militärtechnologie aus den USA und Öl aus Venezuela aus und über mehrere Unternehmen in Russland oder Kasachstan ein.

Mikrochips und Öl

Orekhow und seine Kollegen kauften Elektrotechnik bei Unternehmen in Kalifornien und New York. Unter falschen Angaben brachten sie die Hersteller dazu, militärisch relevante High-Tech nach Russland zu verkaufen, darunter Halbleiter, FPGA-Chips und Arbeitsspeicher. Diese Elektronik wird in Militärflugzeigen, Raketensystemen, Munition, Radargeräten und anderem militärischem Gerät verbaut und wurde auch bereits in eroberten russischen Waffen in der Ukraine entdeckt.

Danneben importierte die NDA Erdöl von der venezolanischen PDVSA nach Russland, etwa für die oben genannte Aluminium-Fabrik des oben genannten Oligarchen, aber auch nach China, für das staatliche Raffinerie-Konglomat. Für die „inkriminierte Ware“ bot Venezuela einen saftigen Rabatt von 40 Prozent an. Die Anklageschrift zitiert einen kurzen Mail-Dialog zwischen Orekhow und dem Spanier Juan Fernando Serrano Ponce, der den Handel einfädelte:

Orekhow: Er [der Oligarch] steht unter Sanktionen. Darum operieren wir von dieser Firma aus [NDA Gmbh]. Als Frontend.
Serrano: Mein Partner ebenfalls, hahah … er steht der Regierung sehr nahe. Er ist einer der einflussreichsten Leute in Venezuela. Supernahe am Vizepräsidenten.

Es kam zu mehreren Schiffslieferungen, die Öl von Venezuela nach Russland oder China brachten. Über das Auslaufen eines Tankers berichtet Serrano: „Der Tanker hat Amuay um 03:1 verlassen. Sobald wir venezolanische Gewässer verlassen, wird das GPS abgeschaltet.“ So konnte das Schiff unbemerkt fahren. Über einen anderen Tanker, der mit 850.000 Barrels Öl für China beladen war, schrieb der Kontaktmann aus Venezuela: „Ich denke, die Suezmax ist zu groß für Guaraguao, und ich rede nicht über die Größe, ich rede darüber, dass der Tanker zu sichtbar ist und Leute veranlasst, darüber zu schwätzen.“

„Der Schlüssel ist Cash“

Um diese Lieferungen zu bezahlen, haben Orekhow und seine kriminellen Kollegen Geldströme im Umfang von Zig Millionen Dollar durch das Finanzsystem geschleust und dabei Sanktionen und andere US-Gesetze gebrochen. Dies gelang ihnen durch mehrere Kanäle.

In Venezuela akzeptierte man am liebsten Cash – also Dollar in Scheinen. Ein kurzer Mail-Dialog aus der Anklageschrift illustriert das:

Serrano: Wir haben 600.000 Barrel Öl verkauft.
Orekhew: Ihr habt 600.000 verkauft? Warum nicht an uns?
Serrano: Der Käufer hat zu 100 Prozent in Cash bezahlt. Und wir haben zugesagt. Beim nächsten Mal sprechen wir für euch.
Orekhew: Waren es Einheimische oder Russen?
Serrano: Russen. Der Schlüssel ist Cash.
Orekhew: Wir können auch Cash beschaffen.

Später versprach Orekhow, das Bargeld von einer Bank aus Kanada an eine Bank in der venezolanischen Hauptstadt Caracas zu schleusen. „Wir machen eine Zahlung an unser Konto in Panama und am selben Tag geben sie euch Cash in Caracas.“ Mithilfe von Kurieren wurde das Bargeld bündelweise nach Venezuela und Russland geschmuggelt.

Nachdem das Geld also wie im vergangenen Jahrhundert in Bündeln transportiert war, begann der zweite Teil der Geldwäsche: das Einschleusen ins Finanzsystem. Dabei halfen maßgeblich zahlreiche Banken aus aller Welt, aus Panama, der Karibik, New York, China, Hongkong, Australien, den Emiraten (Dubai), England, Ägypten, Singapur und anderen Orten.

Auch Krypto kommt vor

Der Großteil der Geldwäsche lief über traditionelle Banken. Eine Kryptowährung kam jedoch auch zum Einsatz: Orekhow, Serrano und ihr venezolanischer Kontakt wickelten eine Zahlung für 500.000 Barrels Rohöl über Tether ab, den vielfach umstrittenen Dollar-basierten Stablecoin USDT. Auch darüber informiert ein kurzer Mail-Dialog:

Serrano: Am Mittwoch müssen wir 50 Prozent bezahlen. Sie wollen 0,50 Dollar je Barrel. Kannst du USDT überweisen?
Orekhow: Ja. Soll es zu 100 Prozent in USDT sein? Oder kann ein Teil auch Cash sein?
Serrano: Wir kennen jemanden, der uns Cash gegen USDT gibt.

Etwas später schwärmt Orekhow:

Sobald wir anlegen, werden wir sofort überweisen. USDT ist so schnell wie eine SMS. Sie haben das Cash, ich habe es bereits arrangiert … es ist schneller als ein Telegramm. Darum benutzt es heute jeder. Es ist bequem, und es ist schnell.

In der Folge überwiesen sie mehrmals Tether im Wert von mehreren Hunderttausend und Millionen Dollar. Auch für Dollarzahlungen für die Lieferung nach China wurden Tether verwendet. In den Export von Militärtechnologie war der Stablecoin aber offenbar nicht verwickelt.

Weder Bitcoin, noch Monero, noch eine andere echte Kryptowährung wurde für die Geldwäsche genutzt. Für Orekhow und seine Partner in Russland, Venezuela und China spielte es offenbar keine Rolle, dass die Tether-Dollar von einem zentralen Unternehmen herausgegeben wird, das in der Lage und willens ist, Adressen auf eine Blacklist zu setzen und einzufrieren. Wichtiger war ihnen, den Dollar als Rechnungseinheit zu verwenden.

   

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