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Celsius Network Story: Missmanagement, mächtige Feinde & der Short Squeeze

Mittlerweile ist es eine Woche her, dass Celsius Network Abhebungen, Swaps und Überweisungen der Nutzer seiner Plattform pausiert hat. Gleichzeitig verkündet das Unternehmen, dass es einen offenen Dialog mit den Aufsichtsbehörden und Beamten aufrechterhält und plant, weiterhin mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Ob das beruhigend wirken soll? Wahrscheinlich ja. Tut es das auch? Wahrscheinlich nicht.

Nicht zuletzt da es sich hier mehr als Floskeln handelt, denn was genau soll das für Nutzer der Plattform bedeuten? Darüber, wie das Unternehmen vorhat, seinen Betrieb zu stabilisieren, hat Celsius Network bislang kein Wort verloren.

Hinzukommt, dass das Team die Kommunikation auf ihrem Twitter-Kanal mit seinen Kunden pausiert hat. Laut offizieller Aussage, möchte man “sich auf die Bewältigung dieser beispiellosen Herausforderungen konzentrieren”. Doch während Celsius Network die Kommunikation eingestellt hat, enden noch lange nicht die Gespräche über die Kreditplattform. Aktuell wird viel über das Unternehmen spekuliert, dass sich als jüngste Kontroverse in die Reihe von Terra Luna, BlockFi, TRON und Three Arrow Capital einreihen kann.

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Doch um alle Leser abzuholen, schauen wir uns noch einmal an, wie das vermeintliche Fiasko seinen Anfang nahm.

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Celsius Network und wie alles Anfing

Der Slogan von Celsius Network lautet: “Eine Wirtschaft, in der finanzielle Freiheit nicht mit einem Preisschild verbunden ist.” Vor einiger Zeit war das noch eine wirksame Marketing-Tagline. Heute liest sich das Ganze wie ein schlechter Scherz.

Von finanzieller Freiheit ist für die Kunden der Plattform nicht mehr viel zu spüren. Sie besitzen nicht einmal mehr die Freiheit ihre Finanzen von der Kreditplattform abzuziehen. Von Wirtschaft kann nicht mehr die Rede sein. Die Plattform scheint eher heruntergewirtschaftet worden zu sein und sollte sogar die Insolvenz drohen, wird sie mit einem Preisschild der besonderen Art versehen, denn dann wird notfalls was noch da ist, zu aktuellen Billigpreisen veräußert.

Lange Zeit lief es aber sehr gut für das im Jahr 2017 gegründete Unternehmen. Celsius Network häufte insgesamt Vermögenswerte in Höhe von 25 Milliarden US-Dollar an, bis sich die Dinge am 12. Juni 2022 zuspitzten. Der Bärenmarkt offenbarte unbarmherzig das Missmanagement der Gelder einiger zu risikoreich aufgestellter Projekte. Darunter auch besagte Kreditplattform, die im Zentrum dieses Artikels steht.

Warnsignale waren schon vorher vorhanden

Anzeichen dafür, dass Celsius Network sein Geld falsch verwaltet, waren zurückblickend auch vorher schon vorhanden gewesen. Im Dezember 2020, während des BadgerDAO-Hacks im Wert von 120 Millionen US-Dollar, verlor Celsius Network Berichten zufolge Kryptowährungen im Wert von über 50 Millionen US-Dollar. Das machte die Kreditplattform zu dem Hauptgeschädigten der Tat. Doch einen Hoffnungsschimmer gab es. BadgerDAO setzte einen Entschädigungsplan durch und schuf den remBADGER-Token.

Den Geschädigten wurde eine Auszahlung in remBADGER über die nächsten zwei Jahre zugesichert, um deren Verluste auszugleichen. Diese Zusicherung war mit einer einzigen Bedingung verbunden: Der remBADGER musste im Badger-Tresor verbleiben, bis die zwei Jahre abgelaufen waren. Sollte der Token vorher entnommen werden, würden für den Betroffenen das Anrecht auf alle zukünftigen Rückzahlungen verfallen.

Am 18. März 2022 zog Celsius jedoch alle ihm zugeteilten remBADGER ab, die zum Zeitpunkt der Transaktion etwa 2,1 Millionen US-Dollar wert waren. Als Celsius Network seinen Fehler bemerkte, versuchte man, das Badger-Team davon zu überzeugen, eine erneute Einzahlung zu gestatten. Doch Code ist nun einmal Gesetz und zum Leidwesen des Unternehmens gab es kein zurück.

Das klingt wie ein schlechter Scherz, aber genauso ist es vorgefallen.

Das Terra Luna Debakel gab Celsius Network den Rest

Eventuell war es das schnelle Wachstum des Projektes, der ihm im Endeffekt vielleicht noch das Genick brechen wird. Celsius Network war einer der am hellsten leuchtenden Sterne am Krypto-Himmel. Bis zu den jüngsten Ereignissen arbeiteten 800 Menschen für Celsius, wobei die Mitarbeiterzahl allein im letzten Jahr um mehr als 200% gestiegen war.

Vielleicht war das Management überfordert oder der Slogan “Only Up” wurde zu wörtlich genommen. Seit geraum Zeit geht es bekanntermaßen “Only down” und die Probleme vieler Projekte häufen sich.

Ein weiterer entscheidender Stolperstein für Celsius Network soll das Terra Luna Debakel im Mai gewesen sein. Auch hier soll das Unternehmen alles andere als eine gute Figur gemacht haben.

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Investoren hatten dem Team vorgeworfen, die Hände in den Schoß gelegt zu haben, während der Terra Luna Kurs infolge der UST Implosion ins Bodenlose versank. Spekulationen zur Folge war das Unternehmen sehr stark in Terra Luna investiert und damit steckte die Plattform einmal mehr hüfttief inmitten des Schlamassels fest. Andere behaupteten wiederum, dass das Team seine LUNA Coins mit als erstes massiv verkauften und sich damit einen mächtigen Feind machten.

Die Sam Bankman-Fried Verschwörung

Ein Analyst mit dem Twitter-Handle “Plan C” stellte seine ganz eigene Theorie zu den jüngsten Geschehnissen rundum Celsius Network auf.

Er veröffentlichte einen Thread über einen angeblichen Angriff auf die Kreditplattform. Der Analyst behauptet darin, dass FTX zusammen mit Alameda Research, dem von Sam Bankman-Fried gegründete Kryptowährungs-Handelsmagnat, eine gezielte Attacke gegen Celsius Network durchgeführt hat.

Der Grund dafür? Laut dem Analysten handelt sich es hier um eine Art Racheakt, nachdem Alex Mashinsky, der CEO von Celsius, sich vorzeitig von seinen Terra Luna Coins zu trennen, während FTX, Alameda Research, 3 Arrows Capital, Galaxy Digital und Jump Capital an ihren Beständen festhielten (teils gezwungenermaßen durch Lockups) und dadurch ein hunderte Millionen US-Dollar verloren.

In anderen Worten hatte sich das Unternehmen mächtige Feinde gemacht. Hinzukommt, dass Alameda Research 70 Millioen US-Dollar in Voyager Digital, einem direkten Konkurrenten zu Celsius Network getätigt hat. Das Motiv könnte hier also nicht nur Rache, sondern eiskaltes Kalkül sein.

Ein De-Peg für eine De-Peg?

Was diese Theorie unterstützt, ist die Tatsache, dass Alameda Research damit anfing massenweise stETH zu verkaufen. Insgesamt soll Alameda 50.000 stETH verkauft haben und damit massiv Liquidität aus dem ETH-stETH-Pool von Celsius Network gezogen haben. Die Folge war, dass der stETH Preis unter den Ethereum Kurs fiel und damit eine Panik auslöste.

Der Vorwurf lautet, dass es sich hier um eine Attacke handelte, um die Plattform illiquide zu machen und in eine Situation zu bringen, wo sie nicht mehr in der Lage ist, ihren Kunden die Gelder auszuzahlen. Der nötige Medienrummel um diese Tatsache sollte einen regelrechten Bankrun auslösen.

Doch das sollte nur der Anfang vom Lied werden. Denn als der Liquidationspreis von Celsius Network bekannt war, wurden massive Mengen an Bitcoins (BTC) auf zentrale Börsen geschoben. Insbesondere FTX verzeichnete dabei einen massiven Anstieg an Verkäufen.

Quelle: Twitter, Plan C

Sam Bankman-Fried wies die Gerüchte, dass Alameda eine Rolle bei der Gefährdung der Stabilität von Celsius gespielt habe natürlich entschieden zurück.

So, oder so, die Angst vieler Anleger am Markt griff zweifelsohne um sich. Der Preis der plattformeigenen CEL Coin fiel ins Bodenlose. Letztes Jahr noch auf einem Allzeithoch in Höhe von rund 8,05$ sitzend, notierte der CEL Kurs am 13. Juli nur noch 0,09$. Doch ist das immer noch Crypto und das letzte Wort war noch nicht gesprochen.

Der Celsius (CEL) Short Squeeze

Wer bis zu dieser Stelle gelesen hat, den sollte es nur wenig wundern, dass sich sehr viele Short-Positionen gegen die CEL Coin von Celsius Network manifestiert haben. Schließlich war am Beispiel von Terra und ihrer LUNA Coin erst kürzlich für alle ersichtlich gewesen, wie schnell ein Vermögenswert implodieren kann, wenn sich das Sentiment einig ist.

Nun verhält es sich aber so, dass es sich bei der CEL Coin zur Zeit um einen sehr illiquiden Vermögenswert handelt und das Sentiment war sich alles andere als einig. Schließlich kommen viele Anleger seit geraumer Zeit nicht mehr an ihre CEL Coins heran, die auf Celsius Network deponiert sind. Eine Idee von einem Short Squeeze war geboren. Der Rest ist Geschichte.

Wie der Chart zeigt, ist der Preis der CEL Coin auf FTX in weniger als 2 Stunden von knapp 0,40$ auf kurzzeitig 2,17$ explodiert. Es ist überflüssig zu sagen, was das mit allen Short-Positionen angerichtet hat, die in den letzten Wochen mit Leverage auf weiterhin fallende Kurse gesetzt haben.

Damit setzt sich die Kontroverse rundum Celsius Network weiterhin fort. Größere Investoren und Interessensparteien scheinen sich hier einen Kampf zu liefern, wobei es wie immer nur um das eine geht: Profit.

Ob Celsius Network überhaupt noch einmal mit einem blauen Auge davon kommt oder nicht, bleibt ebenfalls offen. Für alle Nutzer, deren Vermögenswerte auf der Plattform gefangen sind, bleibt es nur zu hoffen. Das letzte, was dieser Markt braucht, sind weitere Mt. Gox ähnliche Entwicklungen. Doch selbst bei einem positiven Ausgang, wird es Celsius jemals wieder möglich sein, das Vertrauen seiner Nutzer zurückzugewinnen?

Wenn uns dieses Debakel eines erneut lehrt, dann ist das einer der grundlegendsten Weisheiten im Kryptomarkt:

Not your keys not your coins.

Artikelbild: Quelle

   

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