Blockchain

Binance BSC: Wer kontrolliert die Blockchain?

Die Reaktion auf den Bridge-Hack vergangene Woche lautete: Hard Fork. Nun steht die Binance Blockchain in der Kritik, zu zentralisiert zu sein.

Innerhalb weniger Tage wurde die Binance Smart Chain (BSC) Opfer eines fulminanten Hackerangriffs, stellte zwischenzeitlich den Betrieb ein und führte schlussendlich eine Hard Fork durch. Das schnelle Eingreifen verhinderte den Verlust von mehreren Hundert Millionen US-Dollar. Jetzt steht die Frage im Raum: Ist die zentrale Kontrolle der Blockchain das eigentliche Übel?

Was war geschehen?

Am Freitag kam es auf der Binance Smart Chain zu einem Bridge-Hack. Betroffen war der “BSC Token Hub”, die Blockchain-Brücke zwischen der BNB Beacon Chain (BEP2) und der BNB Chain (BEP20 und BSC). Ein Exploit hierauf führte scheinbar zur fälschlichen Prägung von zusätzlichen BNB Token.

Der Hacker wäre beinahe mit den gesamten, rund 2 Millionen BNB-Token, fast 572 Millionen US-Dollar, entkommen. Es folgte ein Wettlauf gegen die Zeit. Letztendlich musste er sich mit nur noch 100 Millionen US-Dollar, sieben Millionen davon eingefroren, zufriedengeben. Der Grund für seine Misere: Das schnelle Handeln von Binance. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Netzwerk heruntergefahren. Mehr dazu hier.

Am gestrigen 12. Oktober kam es dann zur Hard Fork. Die Anpassung des Test- und Mainnets sei ein “dringender Patch, um die Cross-Chain-Infrastruktur zwischen Beacon Chain und Smart Chain zu entschärfen”, hieß es dazu auf GitHub. Sprich: Der 100-Millionen-US-Dollar-Hack wurde unschädlich gemacht. Nach dem einschneidenden Netzwerk-Update nahm Binance den normalen Betrieb wieder auf.

BSC hat nur 44 Validatoren

Für diese schnelle und diskrete Form der Problembehebung zahlen die Nutzer. Nicht mit monatlichen Abo-Zahlungen – sondern in Form von Dezentralität. Die erstaunliche Schnelligkeit, mithilfe der Binance, das Netzwerk abgeschaltete und nur sechs Tage später eine Hard Fork durchführen konnte, ist beunruhigend. Das findet auch Jonathan Miller, Leiter der Kryptobörse Kraken in Australien:

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In einer so unglücklichen Situation wurden sowohl die Dezentralisierung als auch die Sicherheit der BNB-Kette infrage gestellt. Es zeigte sich, dass das Netzwerk einen Single Point of Failure hat und das Vertrauen weniger Personen erforderlich ist, um das Netzwerk am Laufen zu halten.

Jonathan Miller gegenüber Forkast

Möglich war dieser Sprint, weil die BS-Chain von nur 44 Validatoren kontrolliert wird. Tatsächlich brauchte es allerdings nur 26 dieser, um die Aktion so zielstrebig zu koordinieren. Zum Vergleich: Bei Ethereums “Proof-of-Stake”-Netzwerk gibt es mittlerweile mehr als 442.000 aktive Validatoren. Miller verglich die Binance-Chain im Anschluss sogar mit dem Solana-Protokoll, das zwar 3.400 Netzwerk-Prüfer haben will, dennoch unter keinem guten Stern steht.

Befürworter argumentieren derweil, dass die BSC bewusst so konzipiert wurde, dass das Eingreifen in kritischen Situationen erleichtert wird.

Widerspruch kommt von Binance-CEO

Die Zentralisierung bei großen Kryptobörsen wie Binance ist all gemeinhin bekannt. Dass die Blockchain eines solchen Marktgiganten ebenso zentral verwaltet wird, ist kein Geheimnis. Bedenklich ist die Situation erst dann, wenn der CEO und Gründer Changpeng “CZ” Zhao drei Tage vor einer wichtigen Hard Fork über Dezentralität philosophiert.

In einem Blogbeitrag beschreibt er mehrere Beispiele, die verdeutlichen sollen, dass Dezentralität durch “viele verschiedene Aspekte” geprägt sei. Beispielsweise nennt er Bitcoin-Mining Pools, die zusammen über 51 Prozent der Hashrate stellen. Selbst Ethereum hätte Schwächen: Die Blockchain hätte mit Vitalik Buterin, so CZ, einen eindeutig zugeordneten Gründer. Auch auf die Frage, wieso Dezentralität wichtig sei, hat er eine Antwort.

Weil wir nicht wollen, dass ein paar zentralisierte Einheiten unbegrenzte Macht über uns haben, uns exorbitante Gebühren berechnen, kontrollieren, wie wir unser Geld nach Steuern ausgeben usw. Wir wollen den Menschen Macht, Kontrolle und Freiheit geben.

Stimmt auch. Schön wäre das. Bei der Hard Fork hatte Binance trotzdem die Kontrolle.

   

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